Review: DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER (2014)

Review: DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER (2014)

REVIEW DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER

Ihr kennt das sicherlich auch; an manchen Tagen hat man einfach Lust auf ein bisschen Melodramatik. So war das zumindest heute morgen bei mir, weshalb ich mich auf gleich die Suche nach einer vernünftigen Schmonzette gemacht habe. Als Horror- und Actionfan habe ich sowas eigentlich selten, doch irgendwie hat mich der Abschied von Rocky in dessen letzten Film der Reihe in eine nebulöse Stimmung versetzt. Ich weiß, Drama ist nicht mein Ding aber es kann ja bekanntlich vorkommen dass man seinen Horizont gegebenenfalls auch mal um die Ein- oder Andere Oktave erweitert.
Auf der Suche nach einem guten Film bin ich dann letztlich bei DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER hängen geblieben, über den ich in den letzten paar Jahren schon sehr viel gutes gehört habe. Der Film handelt von krebskranken Teenagern die angesichts des drohenden Todes die große Liebe finden. Klingt eigentlich nicht schlecht und hätte durchaus Potential für einen Abend voller verrotzter Taschentücher.

Wie dem auch sei, knapp zwei Stunden  und eine Menge Klischee-Schwulitäten später, bin ich von dem überraschend flachen Film derbe enttäuscht und fühle mich um mein Eintrittsgeld betrogen. Die Handlung ist seicht und von der aus der DIVERGENT Reihe bekannten und gut aufspielenden Hauptdarstellerin Shailene Woodley abgesehen, halte ich den Film für gnadenlos überbewertet. Die Handlung erinnert an eine Nicholas Sparks Schmonzette bei dem alle Charaktere entweder krank oder depressiv sind. Mir ist die Tragik einer Krebserkrankung durchaus bewusst, doch halte ich die Darstellung in THE FAULT IN OUR STARS / DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER für oberflächlich und stellenweise unglaublich kitschig. Der Höhepunkt des Films ist eine romantische Reise nach Holland ins Anne-Frank Haus, bei dem die Zwei Knallerbsen dann plötzlich und unerwartet anfangen rum zumachen. Man muss sich das wirklich mal vor Augen führen: Da läuft eine Touristengruppe durch das Haus, in dem sich die Familie Frank im zweiten Weltkrieg vor den Nazis versteckt hat und bekommen plötzlich das große Jucken in der Hose. Und als wäre das nicht schon geschmacklos genug, fängt der Rest der Besucher plötzlich lauthals und völlig de-platziert an zu klatschen…YEAH, PARTY TIME. ANNE FRANKLY. Mich erinnerte das Ganze in der Geschmacklosigkeit schon ein bisschen an den bekannten SEINFELD Sketch, bei dem es darum ging dass man im Kino zu SCHINDLERS LISTE nicht einfach rummachen kann. Aber anders als hier, war das dann auch irgendwie lustig und absolut nicht Ernst gemeint. DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER meint das ganze jedoch Todernst, so dass man nicht weiß ob man lachen oder heulen soll.

Ansonsten bietet der Film genau das, was man nach Sichtung der Kurzbeschreibung erwarten würde. Spoiler! Es gibt Tote und einen absolut sinn-freien Seitenstrang über einen bekannten Autor, der sich zuerst gegenüber zwei todkranken Menschen wie ein Arschloch verhält, nur um sich dann am Ende dann doch noch als Gutmensch etablieren zu dürfen. Sorry aber “Who the fuck cares?”! Wenn überhaupt, dann interessiert man sich für die Hauptfiguren und was die anbetrifft finde ich das Ende einfach nur enttäuschend. Vielleicht bin ich ja auch einfach zu doof um den großen Sinn hinter dem blöden Ende zu verstehen aber mir kam dieses Ende oder die Reise nach Amsterdam einfach nur deplatziert und schwach vor. Abgesehen natürlich von dem wie immer großartigen Willem Dafoe.

DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER hat einige gute Ansätze, konnte am Ende aber trotz des mit Traurigkeit und Tränen überquellenden Drehbuchs nicht wirklich begeistern. Vor allem weil es eine große Menge schlecht geschriebener und peinlicher Szenen gibt, die es einfach nicht zulassen dass man sich irgendwie in die Situation der Hauptfiguren hinein versetzen kann.
Ich fand den Soundtrack ausgezeichnet und hätte mir echt gewünscht, dass ich am Ende wenigstens ein klitzekleines bisschen bewegt gewesen wäre. Außerdem hat mir gefallen, wie die SMS und Kurznachrichten im Film seitlich eingeblendet wurden.

Davon abgesehen hat sich bei mir kein Drama eingestellt und ehrlich gesagt fand ich so Sachen wie THE WALKING DEAD oder die letzte Folge von ALF nochmal ein gutes Stück trauriger als das was uns Josh Boone hier mit der sprichwörtlichen Schnulzen-Steinschleuder in die Fresse geschossen hat. Ein paar wenige der Dialoge waren an sich eigentlich noch ganz clever gemacht, doch hatte ich dabei auch irgendwie nicht das Gefühl dass es sich dabei um authentische Unterhaltungen von Teenagern handelt, sondern eher wie sich ein 60 Jahre alter Drehbuchschreiber die Gespräche der jungen Generation vorstellt.

Inhaltlich und was das Drehbuch betrifft ist der Film eine Katastrophe und ich kann echt nicht verstehen dass Regisseur Boone und sein Team mit der Vorlage und der guten Hauptdarstellerin (und Laura Dern) nichts besseres gemacht haben. Auf eine gewisse Art ist THE FAULT IN OUR STARS das die Tränendrüsen-Version von TWILIGHT.  Und das geht mir gehörig auf den Sack,weil man mit dem Stoff durchaus etwas Gutes hätte machen können.
Aber wie dem auch sei; für einen langweiligen Film am Sonntag nachmittag ist DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER durchaus irgendwie erträglich. Doch in Fan-und Kritiker-Kreisen ist der Film insgesamt irgendwie maßlos überschätzt. Hollywood schafft es einfach nicht mit dem Thema Krebs auf eine Art und Weise umzugehen, die das Allgegenwärtige Thema eigentlich verdient hätte.

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