Review: NIGHTCRAWLER (2014)

Review: NIGHTCRAWLER (2014)

NIGHTCRAWLER Review Deutsch

Lou Bloom ist ein Kleinkrimineller mit dem unstillbaren Verlangen nach mehr. Die Suche nach einem erfüllenden Job treibt und ihn an und als er überraschend Zugang zur Welt des investigativen Crime-Journalismus bekommt, ist das für ihn wie eine Erleuchtung. Doch aller Anfang ist schwer und zu Beginn hat seine Arbeit mit seriösem Journalismus nur sehr wenig zu tun. Während er die Nächte damit verbringt, dem Polizeifunk zu lauschen um Polizisten an Tatorten oder Unfallschauplätzen vorzukommen um dann einige gute Schnappschüsse oder Aufnahme des Opfers am Tatortes zu ergattern. Und zwar mit dem Ziel, diese Aufnahmen später an Zeitungen oder TV News Channel zu verkaufen. Und es scheint, als hätte Lou mit dieser Arbeit seine berufliche Bestimmung gefunden. Doch schon bald verschwimmen die Grenzen der Legalität und bevor er sich versieht, beeinflusst er aktiv das Geschehen an den Tatorten, um möglichst gute Bilder zu bekommen. Die Sache spitzt sich zu als Lou und sein Partner eines Nachts Zeuge eines Mordes werden, was die Beiden näher in die Geschehen bringt als ihnen lieb ist.

Ok, wie fange ich dieses Review jetzt an? Denn NIGHTCRAWLER war einer der besten Filme die ich seit langem gesehen habe. Jake Gyllenhaal, der für den Film eine Menge Gewicht verloren hat, liefer hier seine bisher beste Rolle ab und unterstreicht erneut was für ein ausgezeichneter Schauspieler er ist. Ich hielt ihn früher eigentlich eher für einen sehr eindimensionalen Schauspieler der sich immer die selben Rollen aussucht, doch meine Meinung über ihn hat sich durch die letzten paar Filme in denen er dabei war grundlegend geändert. Inzwischen ist Gyllenhaal einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler und die Vielseitigkeit seiner Rollen ist beeindruckend. Die Figur Lou Boom ist absolut originell und höchstens mit so Rollen wie “Patrick Bateman” aus AMERICAN PSYCHO vergleichbar. Denn er ist ein Psychpath und die Art wie er mit seinen Mitmenschen umgeht ist faszinierend. Ich fühlte mich in NIGHTCRAWLER wie in einer Charakterstudio eines geistig schwer gestörten Menschens. Doch gleichzeitig ist der Film großartig und die größte Stärke von Dan Gilroys Regiedebüt ist das bombenstarke Drehbuch. Die Dialoge sind einfach eine Klasse für sich und erinnern manchmal sogar ein wenig an den jungen Tarantino, als er auf dem Höhepunkt als Drehbuchautor war. Mit so einem starken Script hätte jeder Schauspieler den Film gut werden lassen, doch erst Gyllenhaal´s bedrohliches Underacting macht NIGHTCRAWLER zu etwas Besonderem. Mir fallen auf Anhieb gleich vier oder fünf Szenen ein, die einfach genial geschrieben waren und bei denen ich einfach kurz mit meinen Begleitern darüber reden musste, wie gut die Szene funktioniert hat. Gilroy ist bei mir sofort an Anhieb auf die Liste der Regisseure/Drehbuchautoren gegangen die ich in Zukunft genauer beobachten werden. NIGHTCRAWLER ist absolut unvorhersehbar und entwickelt sich zu jeder Zeit in Richtungen, die man nicht erwartet hätte. Gyllenhaals Figur ist absolut kein Protagonist den man mag. Jedoch ist er auch kein Antagonist. Die Rolle liegt irgendwo dazwischen und ich persönlich habe einen Großteil des Films mit offenem Mund verbracht, weil die Dialoge einfach so erfrischen waren. Bei den vielen Filmen die ich in den letzten Jahren gesehen habe, weiß ich es einfach zu schätzen wenn ich im Vorfeld nicht genau sagen kann, wie sich die Handlung entwickelt. Denn sowas ist in meinen Augen das Todesurteil für ein gutes Drehbuch.
Von Gyllenhaal abgesehen sind auch die anderen Rollen einfach super gespielt und Rene Russo und Bill Paxton sind sozusagen das Tüpfelchen auf dem i. Die Kameraarbeit ist herausragend und ich möchte Euch unbedingt empfehlen während der Handlung ab und zu mal einen Moment inne zu halten, um die schöne Cinematography ein bißchen zu genießen. Für ein Regiedebüt ist das einfach eine herausragende Leistung und wegen den vielen genialen Dialogen würde ich ihn am liebsten nocheinmal ansehen. Gyllenhaals Charakter ist nicht einfach irre. Er ist vielschichtiger Sozipath, der hoch-intelligent ist und der in Anbetracht seiner emotionslosen Art noch diabolischer wirkt. Denn manchmal ist das Böse nicht auf den ersten Blick als dieses zu erkennen. Das Leben ist manchmal nicht nur einfach “schwarz” oder “weiß”. Und diese Vielschichtigkeit findet sich auch in Gyllenhaals Charakter wieder denn NIGHTCRAWLER zeichnet mit dem bösartigen Lou ein sehr realistisches Bild eines in der Gesellschaft funktionierenden Soziopathens. Denn wer glaubt, dass man nur in geschlossenen Anstalten auf Leute mit psychischen Problem treffen, der irrt und NIGHTCRAWLER fängt dieses Detail sehr gut ein und benutzt es um wirklich interessante Szenen zu schaffen.
Der Film ist originell, hat ausgezeichnet ausgearbeitete, vielschichtige Charaktere und stellt den Zuschauer immer wieder vor neue Überraschungen. Und genau darum gehts doch im Film. Ich möchte nicht nachdem ich den Trailer gesehen habe die Handlung vorhersagen können und hier ist das beim besten Willen nicht der Fall.
NIGHTCRAWLER ist eine feinsinnige Satire der über Leichen gehenden Medienlandschaft und tritt somit in den Zeiten von Whistleblowern und ständig steigender Brutalität in den Nachrichten offene Türen ein. Für mich war NIGHTCRAWLER einer der mit Abstand besten Filme des Jahres 2014 und ist auf Gyllenhaals Filmografie bisher einer der absoluten Höhepunkte! Und Regisseur Dan Gilroy solltet Ihr unbedingt im Auge behalten!

Filmfreak.org - Newsletter

Schreibt Euch für den Newsletter ein um News per Email und Links zu interessanten Artikeln zu erhalten oder an Verlosungen teilzunehmen.

Habt Dank!

Hoppla, das Internet ist kaputt!

  • 84%
    Nightcrawler - 84%
84%

Filmfreak.org - Newsletter

Schreibt Euch für den Newsletter ein um News per Email und Links zu interessanten Artikeln zu erhalten oder an Verlosungen teilzunehmen.

Super, hat geklappt!

Das Internet ist kaputt!