Review: STRAIGHT OUTTA COMPTON Deutsch

Review: STRAIGHT OUTTA COMPTON Deutsch

STRAIGHT OUTTA COMPTION Review Deutsch

Hey Leute, STRAIGHT OUTTA COMPTON schlägt in die gleiche Kerbe wie Eminems 8MILE oder 50 Cents GET RICH OR DIE TRYING. Der Film erzählt die Entstehungsgeschichte der Band NIGGAZ WITH ATTITUDE, kurz N.W.A. genannt. Die Gruppe um Ice Cube, Eazy-E, Dr. Dre und Mc Ren zählt selbst heute noch zu den einflussreichsten Rap-Bands der 80er bis 90er Jahre und war mit ihren brisanten Lyrics und anti-autoritärem Auftreten nicht nur der Polizei und dem FBI sondern auch einigen Politikern ein Dorn im Auge. Denn die aus schwarzen Jugendlichen bestehende Band bezog ganz klar Stellung gegen Rassistische Cops, Armut und dem Leben im Getto von Compton und traf somit am Rande der vom Rodney King Fall ausgelösten Rassenunruhen voll den Zeitgeist der Fans. Und auch vom politischen Aspekt abgesehen lässt die Entstehungsgeschichte der Band absolut Raum um daraus durchaus einen vielversprechenden Film zu machen. Die ersten Trailer sahen fantastisch aus und für mich deutete im Vorfeld vieles daraufhin dass uns mit STRAIGHT OUTTA COMPTON einen absoluten Überraschungshit ins Haus stehen könnte. Nun, inzwischen sehe ich die Dinger ein bißchen nüchterner.

Denn der Film ist inzwischen endlich in den USA gestartet, weshalb ich Euch auch gleich mein Review raushauen möchte. Und obwohl STRAIGHT OUTTA COMPTON durchaus unterhaltsam ist, bin ich auf eine gewisse Art trotzdem sehr enttäuscht, da der Trailer sehr viel versprochen hatte, was der Film letztendlich leider nicht halten kann. Doch erstmal langsam.
Die Besetzung, unter anderem mit Ice Cubes Sohn O´Shea Jackson Jr. in der Rolle des eigenen Vaters, ist ausgezeichnet gecastet und passt wirklich perfekt. Und auch Corey Hawkins als Dr. Dre und Jason Mitchell als Eazy-E sind super gecastet. Die Illusion war meiner Meinung nach wirklich perfekt gelungen, und selbst so prägnante Leute wie Snoop Dogg, 2Pac Shakur oder Suge Knight sind wunderbar getroffen. Schade nur dass sich der ehemalige Death Row Labelchef Suge Knight bei den Dreharbeiten mal wieder daneben benommen hat und “angeblich” zwei Leute mit dem Auto platt gemacht hat. Doch das sei nur am Rande erwähnt.

Auch die Musikuntermalung ist meiner Meinung nach perfekt geworden und die NWA Songs oder die Sachen die Ice Cube Solo gemacht hat, passen ausgezeichnet in den Film. Wenn sich Ice Cube das Mike in die Hand nimmt und mit röhrender Stimme ” Yo Dre, I got something to say” brüllt, fühlt man sich gleich wieder wie damals auf dem Schulhof, als Bad Boy Records und Death Row gegeinander um die Gunst der Rapfans buhlten und ich meine Freundin zur Sounduntermalung von NOTORIOUS BIGs HYPNOTIZE beim fremdgehen auf der Veranda erwischt habe. Ja ja, die gute alte Zeit.

Der Film enthält viele bekannte Situationen, von denen man immer mal wieder in Interviews gehört hat und vom Autobiographischen Standpunkt ist STRAIGHT OUTTA COMPTON gelungen. Eines kann man Regisseur F. Gary Gray sicher nicht vorwerfen: Nämlich dass er sich nicht mit seinen Charakteren befasst hat. Doch jetzt kommt das Problem: Der Film funktioniert vielleicht als eine Musik-Doku; aber eben nicht als ein klassischer Spielfilm. Während man bei dem wirklich gelungenen 8MILE und sogar dem Fiddy Cent Film irgendwie eine filmische Struktur erkennen konnte, gibt es bei STRAIGHT OUTTA COMPTION keinen Spannungsbogen, der sich kontinuierlich fortbewegt. Genauso wenig gibt es Charaktere, die sich irgendwie verändern oder die vielleicht im Rahmen der Handlung eine große Entwicklung durchmachen. Am Anfang war das Ei. Und am Ende halt irgendwie auch. Nur dass man dazwischen immer mal wieder Sex, Gewalt oder Musik gehört hat. Aber ohne wirklich zu rocken. Man fühlt sich ein bißchen wie beim Konzert einer Death Metal Band…alles ist laut und aggro aber es fehlt das gewisse Etwas.

Es gibt einige gute Szenen, doch leider fehlt es irgendwie an allem was einen Film besonders macht. Und das ist sehr frustrierend, denn eigentlich hatte man mit Paul Giamatti einen ausgezeichneten Darsteller für die Rolle des schmierigen Managers gefunden, durch den man vielleicht irgendwie hätte versuchen können, den vielen, grundsätzlich interessanten Szenen, eine Handlung zu schustern die sich von Punkt A über Handlung B zum Finalen Punkt C langsam irgendwie weiterentwickelt. Denn Giamatti war schonmal in einer Biografie zu sehen: Nämlich in PRIVATE PARTS, der Lebensgeschichte von US Radio DJ Howard Stern. Und in dieser Rolle war er herausragend und trug den (übrigens sehr erfolgreichen Film) teilweise mit. Hier hat man das Gefühl, dass man sein Talent einfach mit einer nicht klar definierten Rolle verschwendet hat. Was ist der Manager eigentlich für eine Figur? Ist er ein Antagonist, Protagonist oder irgendwas zwischendrin? Will er die Band auseinander bringen oder will er einfach nur das Beste für seinen Klienten Eazy-E? Der Film hat irgendwie nicht genug Bösewichte…oder vielleicht hat er auch zuviele aber keiner ist so richtig Böse. Immer mal wieder tauchen neue Figuren auf die man als Hip Hop Insider natürlich kennt. Doch das hat nicht Wirklich großen Einfluss auf die Handlung.

Mal ist der Manager der Böse, mal Suge Knight und mal ist es einfach die Gier die die vier Freunde auseinander treibt.Der Film versucht alles mögliche in die Handlung zu integrieren und ist am Ende dann mit fast 150 Minuten DEUTLICH zu lang. Und nicht nur zu lang! Ich kann mir problemlos einen drei Stunden Klopper a la DER PATE 2 ansehen…doch muss das Ganze eine sinnvolle Handlung haben und nicht wie hier einfach nur eine Aneinanderreihung musikuntermalter Szenen sein. Denn das sieht zwar gut aus aber lässt mich dann trotzdem relativ kalt. Die Figuren sind zu kühl geraten, so dass der Film dem Zuschauer auch einfach auch keine Identifikationsmöglichkeiten bietet. Wer ist die Hauptfigur? Ice Cube? Eazy-E? Dr. Dre? Immer mal wieder zeigt die Handlung Szenen aus den  Leben der drei Hauptfiguren (und lässt übrigens MC Ren zum größten Teil aussen vor) und versagt einfach im Aspekt des Storytelling komplett. Und das obwohl der Film sehr wohl Möglichkeiten geboten hätte, eine bewegende Handlung zu schaffen. Rassenunruhen, Ungerechtigkeit, Krankheit, Tod und Verbrechen sind allgegenwärtig und hätten meiner Meinung nach viel stärker in die Handlung integriert werden sollen. Ja, man sieht rassistische Cops und Gangkriminalität. Und der Film nimmt durchaus immer mal wieder Themen wie den schrecklichen Rodney King Skandal auf aber versteht es nicht, um diese Themen herum eine Handlung zu schaffen, die für die Zuschauer im Kino mitreißend ist. Oder eine Botschaft an die Zuschauer zu senden. Der Film ist ein seelenloses Vehikel, das zwar die richtigen Themen aufbringt, sie aber nicht zu einer Handlung verbinden kann die einen irgendwie bewegt.

Versteht mich nicht falsch; STRAIGHT OUTTA COMPTION ist in so vielen Belangen gelungen. Doch leider versagt der Film im ALLERWICHTIGSTEN Bereich. Nämlich darin ein guter Film zu sein! Der Schnitt ist desaströs und ich kann mich nicht erinnern wann ich zuletzt einen so schlechten Schnitt gesehen habe. Wie bereits erwähnt; der Film geht fast 150 Minuten und ein guter Editor hätte mit Sicherheit die Hälfte davon rausgeschnitten.

Mehr bleibt mir eigentlich nicht zu sagen. Außer vielleicht dass ich es sehr gut von Legendary Pictures bzw. Universal finde, dass sich die Filmfirma überhaupt an ein so heißes Eisen herangewagt hat. Der Film ist voll mit Profanität, Rassismus und Gewalt und kommt außerdem noch mit einem R-Rating daher. Und das erfordert Mut, den ich auch absolut wertschätzen möchte.

Und trotz meiner schlechten Kritik ist es absolut durchaus möglich, dass sich STRAIGHT OUTTA COMPTON noch zu einem Hit an der Kinokasse entwickelt wenn der Film in drei Tagen dann auch in Deutschland anläuft. Denn dass zwischen dem Empfinden der Kinogänger und dem der Kritiker mit ihren Reviews manchmal Welten liegen können, hat man ja jüngst erst mit dem von Kritikern eher gescholtenen Animationsfilm MINIONS gesehen, der aber an der Kinokasse mächtig Kohle eingefahren hat. Deswegen möchte ich STRAIGHT OUTTA COMPTON absolut nicht alle Erfolgsaussichten absprechen…aber rein von der Qualität her ist der Film für mich trotz guter Musik und Schauspielern eher ein Flop. Bleibt nur zu hoffen dass sich wenigstens das neue Album von Dr. Dre wirklich lohnt und nochmal an alte Chronic-Zeiten anknüpfen kann.

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