Review: THE HATEFUL EIGHT (2015)

Review: THE HATEFUL EIGHT (2015)

Review THE HATEFUL EIGHT Deutsch

Nach DJANGO UNCHAINED begibt sich Quentin Tarantino erneut in die Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs zurück und erzählt ein mitreißendes Katz- und Mausspiel, bei dem es ganz nach dem 10 KLEINE NEGERLEIN Prinzip mächtig zur Sache geht. Und angesichts der Tatsache dass fast jeder Charakter in Tarantinos Kammerspiel irgendwie Dreck am Stecken hat, trifft es auch immer den Richtigen.

Wie bei Tarantinos Neu-Interpretation des Italo-Westerns, DJANGO UNCHAINED, kommt der Amerikaner wieder einmal mit einer ganzen Schar von Schauspielern und ehemaligen Altstars daher und schafft es mit THE HATEFUL EIGHT auf jeden Fall schon einmal den hohen Erwartungen gerecht zu werden. Denn Tarantino hat es natürlich immer noch voll drauf, interessante Dialoge zu schreiben. Und wenn die dann noch von Legenden wie Kurt Russel, Samuel Jackson oder Bruce Dern gespielt werden gibt es natürlich einiges zu entdecken. Schauspielerisch ist THE HATEFUL EIGHT allererste Sahne und macht des öfteren so richtig großen Spaß. Und obwohl ich nicht ganz Tarantinos Liebe zum Western-Genre teilen kann, kann ich THE HATEFUL EIGHT auf jeden Fall so einiges abgewinnen. Als da wären, eine wunderbar eklige Jennifer Jason Leigh die für mich der heimliche Star des Films geworden ist, ein sehr schöner Soundtrack und dann vor allem natürlich wunderbaren Kameraaufnahmen die bei dem in 70mm gedrehten Film zu sehen sind. Denn bereits am Drehbuch konnte man erkennen, wie sehr sich Tarantino für das extrem breite Format begeisterte und hier alles getan hat, um einen visuell schwer beeindruckenden Film zu drehen.

Leider gibt es jedoch auch ein paar Schattenseiten, die ich nicht verschweigen möchte. Tarantinos Filme sind oft wie ein Drahtseilakt zwischen Shoot-out bis zum bitteren Ende und innovativen Dialogen und auch bei THE HATEFUL EIGHT ist Tarantinos Stil allgegenwärtig. Genauer gesagt hätte ich mir nochmal einen Tarantino-Film gewünscht, der nicht nach dem üblichen Schema abläuft. Denn auch wenn eine Tarantino-Film oft mit herausragenden Dialogen glänzen kann, tritt dabei so manches mal die eigentlich Handlung in den Hintergrund. Die Charaktere sind so stark und überzeichnet dargestellt, dass sie der eigentlich zu erzählenden Geschichte ein bisschen im Wege stehen. Mir war zum Beispiel von Anfang an klar, wie der Film enden würde. THE HATEFUL EIGHT is Tarantino pur; und das mit allen Konsequenzen.

Brutalitäten sind allgegenwärtig und tun dem Film überraschend gut. Der von Ennio Morricone komponierte Soundtrack ist gut, jedoch nicht großartig. Der Score von THE HATEFUL EIGHT enthält unter anderem Stücke die Morricone ursprünglich einmal für Carpenters DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT geschrieben hatte, die aber im fertigen Film keine Verwendung gefunden hat. Und wer darauf achtet, kann auch sehr genau erkennen welche Stücke für THE HATEFUL EIGHT recycelt wurden. Angesichts dessen, dass Morricones pumpender Score zu THE THING als einer der besten Horror-Soundtracks aller Zeiten gilt, ist das noch nicht mal unbedingt schlecht.

Die Cinematography / Kamera-Arbeit ist absolut beeindruckend und Ehrfurcht einflößend. In Tarantinos siebtem Kinofilm versucht der Filmfan mit Hilfe von Kameramann Robert Richardson seine bisher handwerklich beste Arbeit abzuliefern. Leider schafft es Tarantino jedoch nicht, die technisch versierte Arbeit mit einem 100% überzeugenden Drehbuch zu untermauern. Der neue Tarantino ist interessant, funktioniert als Film jedoch nur begrenzt und hat nicht den entscheidenden Biss, den man sich im Vorfeld erhoffte. Vielleicht hätte Tarantino besser das Drehbuch von jemand Anderem schreiben lassen sollen, doch wer möchte schon bei einem Herzens-Projekt wie THE HATEFUL EIGHT so wichtige Elemente wie das Drehbuch abgeben.

Jedenfalls ist der Film technisch sehr schön und ansehnlich geworden, bleibt aber als Gesamtwerk hinter (meinen) Erwartungen zurück. Außerdem ist der Film ein wenig zu lang geraten, so dass einem der Gang ins Kino schon eher wie ein ganzes Filmfestival vorkommt. Das Ende ist jedoch großartig und zeigt deutlich, was Tarantino zu leisten vermag wenn er gut drauf ist.

Abschließend möchte ich nochmal kurz unterstreichen wie gut mir Kurt Russel gefallen hat und ich hoffe ihn bald mal wieder in weiteren Hauptrollen zu sehen.
Warum der Film in Deutschland mal wieder mit grosser Verzögerung startet ist mir schleierhaft.

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